Obedience

Manche sagen, dass Obedience-Hundesport in Vollendung sei, was durchaus zutreffend sein kann. Die verschiedenen Gehorsamsübungen, die zu diesem Sport zählen, sind in der Prüfungsordnung festgelegt. Es bereitet sowohl dem Hund als auch dem Halter Freude, die korrekte Ausführung dieser Übungen gemeinsam zu erlernen. Das Ziel, die vielfältigen Aufgaben – einschließlich Fußarbeit, Apportierübungen unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen, Geruchsunterscheidung und Distanzarbeit – mit einem entspannten und freudig mitwirkenden Hund zu meistern, kann nur im Team erreicht werden.


Die Klassen

In Deutschland werden neben den Leistungsstufen O-1 bis O-3 auch Klassen für Anfänger (O-B) und Senioren (O-S) angeboten. In der Seniorenklasse dürfen Hunde ab dem vollendeten achten Lebensjahr starten, sofern sie zuvor Klasse 1 bestanden haben. Für die Beginnerklasse ist eine bestandene Begleithundeprüfung erforderlich, danach ist ein Aufstieg in die nächsthöhere Klasse jeweils mit der Wertnote „Vorzüglich“ (V) möglich.

Bewertung

Jede Übung wird mit bis zu 10 Punkten bewertet und hat zudem einen Koeffizienten zwischen 2 und 4. Um die Wertnote „Vorzüglich“ zu erreichen, muss das Team mindestens 80 Prozent der maximalen Punktzahl erzielen. In den Klassen O-B bis O-2 wird auch der Gesamteindruck des Teams bewertet.

Übungen

In jeder Klasse müssen Hund und Hundeführer etwa zehn Übungen absolvieren, die teilweise in der Gruppe stattfinden, wobei 3 bis 5 Teams ihre Ablageübungen gemeinsam durchführen. Alle Übungen erfolgen auf Anweisung eines Stewards, es sei denn, die Prüfungsordnung sieht etwas anderes vor. Der Steward gibt an, wo man sich aufstellen muss, in welche Richtung gearbeitet wird und leitet jede Übung mit „Grundstellung einnehmen, Übung beginnt“ ein. Eine Übung ist erst beendet, wenn der Steward „Übung beendet“ sagt. Alle Kommandos müssen vom Hundeführer als Hundeführer als Hörzeichen gegeben werden. Bei einigen Übungen ist ein zusätzliches Handsignal erlaubt wie, zum Beispiel bei der Box oder bei den Richtungsübungen. Ein zweites Kommando ist zwar erlaubt, es gibt aber Punkteabzug….Neugierig geworden? Mehr Infos gibt es hier…. Prüfungsordnung

Fussarbeit

Die Fußarbeit wird in jede Stufe als Freifolge gezeigt, die Haltung von Hund und Hundeführer muss natürlich sein, der Hund muss sich frei bewegen. 
Dauer einer Freifolge:
 

Gruppenübungen

Je nach Klasse sind die Gruppen unterschiedlich aufgebaut. Eine wesentliche Rolle spielt immer das Abliegen/ Absitzen. Bis Klasse 1 bleibt der Hundeführer in Sicht, ab Klasse 2 ist er außer Sicht. Die Zeit für die Ablage steigert sich nach der Klasse.

Die technischen Übungen

Diese sind nach Leistungsklasse unterschiedlich aufgebaut, aber im Wesentlichen kommen vor:

  • Box: der Hund wird in ein Viereck von 3 x 3 Metern Größe geschickt
  • Apportieren: auf gerader Strecke, über eine Hürde oder als Richtungsapport
  • Distanzkontrolle: Sitz, Steh und Platz mit dem Hundeführer in einem Abstand von 3 bis 15 Meter
  • Geruchsidentifizierung
  • Positionen aus der Bewegung: Sitz, Steh oder Platz
  • Umrunden einer Pylonengruppe, in Klasse 2 und 3 mit Stopp, Position, Apport und Hürde kombiniert
  • Abruf

Box

Der Hund wird in ein Viereck von 3 x 3 Metern geschickt, das mit einem Band und kleinen Pylonen markiert ist. Der Hundeführer muss vor der Übung angeben, welche Position sein Hund in der Box zeigen wird. Das heißt, dass der Hund entweder erst steht und dann mit einem weiteren, erlaubten Kommando ins Platz gelegt wird - oder dass er gleich das Platzkommando bekommt.
Abstände je Klasse: 
O-B 10 Meter gerade vorausgeschickt 
O-1 15 Meter
O-2 23 Meter 
O-3 Der Hund wird erst gerade in einen markierten Kreis in 10 Metern Entfernung geschickt und dann rechts oder links in die Box (23 Meter); anschließend wird er in eine vom Steward angesagte Fußarbeit abgerufen.

Apportieren

In der Beginnerklasse wird der Apportel auf einer Strecke von fünf Meter ausgelegt und auf Anweisung des Stewards gibt der Hundeführer das Kommando zum Bringen.

In der Klasse 1 wirft der Hundeführer den Apportel über eine Hürde. Auf Anweisung des Stewards wird der Hund zum Beispiel mit einem „Hopp“- Kommando zum Apportel losgeschickt. Der Hund muss eigenständig das Apportel aufnehmen und mit einem Rücksprung wieder in die Grundstellung kommen.

In den Klassen 2 und Senioren geht der Hundeführer auf Anweisung des Stewards geradeaus, nach circa sieben Metern (immer noch auf Anweisung des Stewards) macht der Hundeführer eine Wendung und danach gibt er selbständig, auf der Höhe einer zuvor markierten Stelle, das Kommando zum Anhalten. Zurück in der Anfangsposition wird der Hund nach links oder rechts geschickt. Die Richtung wird vor der Prüfung gelost.

In der Klasse 3 wird der Hund geradeaus geschickt, nach 10 Meter angehalten und dann weiter zum Apportel geschickt. Ob es links, in der Mitte oder rechts ist, wird vor der Prüfung gelost.
 

Distanzkontrolle

Der Steward stellt Hund und Hundeführer vor einer Tafel mit Symbolen für die Positionen „Sitz“, „Platz“ und „Steh“ auf. Es werden Wechsel von Platz, Sitz und Steh gezeigt, bei denen der Hundeführer zwischen 3 und 15 Metern (je nach Klasse) entfernt vom Hund steht. Es dürfen hierbei Sicht- und Hörzeichen verwendet werden.

Geruchsidentifikation

Diese Übung gibt es nur in den Klassen 2, 3 und bei den Senioren. Der Hund soll aus 6 – 8 hölzernen Gegenständen (2cm  x2cm x 10cm) den herausfinden, den der Hundeführer etwa 10 Sekunden (O-2)  bzw. 5 Sekunden (O-3) in der Hand gehalten hat.

Positionen aus der Bewegung

Grundsätzlich wird in allen Klassen dem gleichen Schema gefolgt, Positionen werden vom Richter vorgegeben.

  1. Der Hundeführer geht mit dem Hund im Fuß im Normalschritt an,
  2. nach 5 oder 10 Metern sagt der Steward „Kommando“ 
  3. und auf Kommando des Hundeführers nimmt der Hund die geforderte Position ein.
  4. Nach weiteren 5 oder 10 Metern dreht sich der Hundeführer zum Hund, dann geht es zurück zum Hund und
  • die Beginner treten neben den Hund und bringen ihn in die Grundstellung. 
  • in der Klasse 1 geht man rechts am Hund vorbei, wendet erneut, geht links am Hund vorbei und hält neben ihm an.

In der Klasse 2 und bei den Senioren nimmt der Hund zweimal verschiedene Positionen ein mit einem Winkel dazwischen.

In Klasse 3 sind die Positionen ein gesondert bewerteter Teil der Fußarbeit und können von Prüfung zu Prüfung variieren.

Pylonengruppe

In der Beginnerklasse wird ein einfaches Umrunden der Pylonengruppe aus 5 Metern Entfernung mit abschließender Grundstellung erwartet.
In der Klasse 1 vergrößert sich die Entfernung auf 10 Meter. 
In der Klasse 2 kommt ein Sprung (rechts oder links analog Klasse 3) dazu. 
In der Klasse 3 soll der Hund zusätzlich über die Hürde apportieren.

Beispiel für Klasse 3

  1. Der Hund wird vom Startpunkt aus um die Pylonengruppe geschickt.
  2. Der Hund zeigt nach Umrunden eine Position, die der Hundeführer erst bei Turnierbeginn vom Richter erfährt: Sitz, Platz oder Steh.
  3. Der Steward weist anschließend an, über welche Hürde der Hund springen muss – das wird vorher ausgelost. 
  4. Der Hundeführer gibt dem Hund mit einem Hör- und Handzeichen das Kommando, welches Apportel er bringen soll.
  5. Der Hund bringt das Apportel, springt mit dem Apportel über die Hürde,  
  6. … und nimmt selbständig die Grundstellung ein

Abruf

Beim Abrufen soll der Hund bereitwillig auf das Abrufkommando reagieren. Die Strecke beträgt je nach Klasse zwischen 20-35 Meter.

In der Klasse 2 soll der Hund nach circa 12 Meter auf Kommando anhalten, dann wird er erneut in die Grundstellung abgerufen.

In der Klasse 3 wird noch ein zweites Anhalten verlangt und danach in die Grundstellung abgerufen. Die zwei Haltpositionen werden vom Richter ausgewählt und können Steh, Sitz und/oder Platz sein.

Gesamteindruck

Die Zusammenarbeit von Mensch und Hund wird im Obedience als extrem wichtig angesehen. Daher bewertet Obedience als einzige Sportart den Gesamteindruck in Beginner, LK 1, 2 und Senioren.