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Spartentreffen der Superlative am nebligen Inn An einem späten Wochenende im Januar 2009 trafen sich im eiskalten Mühldorf honorige Vertreter verschiedener Sportarten. Unter anderem mit dabei waren der Of Arbeit und Sport sowie für das Rettungshundewesen dhv Alfons Fieseler, LRO VPG BLV Hans Kreittner, OfO BLV Brigitte Stellner, OfA BLV KG7 Angie Huber, OfT BLV KG7 Andreas Strieder, LRO Agility BLV Uwe Schulz. Mit Sicherheit untermalte die fantastische Küche die Veranstaltung in besonderer Weise, doch war sie nicht Auslöser für das ungewöhnliche Treffen. Dr. Esther Schalke von der Tierärztlichen Hochschule Hannover zog sie alle in den Nebel des Inns. |
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Edgar Huber, Vorstand des HSV Mühldorf, hatte sich etwas ganz Besonderes für seine Vereinskollegen, die beim Ausbau des Vereinsheims tatkräftig und produktiv zusammengearbeitet haben, einfallen lassen mit diesem Seminar. Einige wenige Externe profitierten von dieser Dankbarkeit, denn trotz des hohen Kostenfaktors gab Edgar das Seminar lediglich für einen Unkostenbeitrag weiter. Die Verhaltenstherapeutin und -forscherin beeindruckt schon lange die Szene der Hundewahnsinnigen mit ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit, Hunde zu beobachten und das daraus resultierende Wissen in markante Worte zu packen, die kurz und prägnant die Verhaltensmuster umschreiben und einen direkten Weg zur Therapie bieten. Frau Dr. Esther Schalke ummalte mit Betonungen ihre Worte, die eine Aufmerksamkeit der Zuhörer garantierten. Gestik, Mimik, Ausdruck und Ausstrahlung vermittelten eine Sicherheit, die überzeugte. Mit Beamer und PowerPoint-Präsentation wurden die Theorien verständlich in Bild und Video erklärt. |
Edgar Huber stellt Fragen an Esther. Damit auch jeder etwas mitbekommt per Mikro. |
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Es war schnattrig kalt! Esther verpackt. |
Wir lernten, die defensive und offensive Aggression spiegelt sich in der Mimik des Hundes eindeutig erkennbar wider. Hoch gezogene Stirnmuskulatur, die Ohren nach hinten angelegt, ein Zeigen der Zähne bis nach hinten in die Backenmuskulatur. Dieser Hund präsentiert aus Angst alle seine Waffen. Hingegen offenbart der offensiv aggressiv reagierende Hund mit rund gezogenen Lefzen lediglich die Schneide- und Fangzähne, die Stirn rutscht nach vorne, die Ohren sind offen auf den Kontrahenten gerichtet. Ein klares Bild, das alle Anwesenden zu Hause mit Sicherheit beim eigenen Vierbeiner kontrolliert haben. Denn der Hund, der defensiv den Halter mit angelegten, nach hinten liegenden Ohren begrüßt und vielleicht sogar noch unterwürfig schleckt, der ist nicht das Weichei. Dieser Hund signalisiert lediglich, dass keine Unsicherheiten im Rang während der Begrüßung zu finden sind. Wir Sporttreibenden erfuhren, welche Vor- und Nachteile die defensive und offensive Aggression mitbringen.
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Geniale Begriffe wie Bewegungsluxus haben die Teilnehmer im Bezug auf das Spielverhalten des Hundes erfahren. Denn genau daran ist jedes Spielverhalten eindeutig zu erkennen. Ein wildes Werfen der Vorderbeine (Initialspielaufforderung), begleitet von tobenden Bewegungen, untermalen den spielenden Hund. Völlig anders führt der Hund, der noch immer droht, obwohl der Kontrahent bereits auf dem Rücken liegt, diesen Vorgang so lange fort, bis der Unterlegene sich vollständig in der passiven Demut befindet. Kurz, sich nicht mehr bewegt. Wir wissen das alle, trotzdem erkennen wir oftmals nicht, dass der unten Liegende sich noch immer windet. Auch für die Situation, in der ein Hund sich in Ausübung seiner Aufgabe zusammen mit dem Besitzer von einem umliegenden Reiz ablenken lässt, gibt es einen markanten Begriff: die konkurrierende Motivation. Klar abgegrenzt erklärte Dr. Esther Schalke den Anwesenden, was eine klassische Konditionierung und eine instrumentelle (operante) Konditionierung ist und wie diese sich im Sport zeigen. |
Esther analysiert das Wesen eines Hundes sowie die Mensch- Hund-Beziehung anhand des gezeigten Verhaltens. |
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Esther erklärt, wie das Verhältnis Mensch-Hund gestärkt werden kann, wo die Schwächen der Beziehung liegen. |
Der Praxisteil begann mit allgemeinen Wesensanalysen der vorgeführten Hunde der Teilnehmer. Was anfangs ein Betrachten von netten Hunden war, wurde zu einem Spiegel von Lebenssituationen. So sehr der Mensch dazu neigt, seinen Hund zu vermenschlichen und deutliche Signale zu übersehen, so offensichtlich konnten alle Anwesenden selber aufgrund der vorherigen Erklärungen erkennen, dass der Hund durch falsches Verstehen zur Gefahr werden könnte. Jeder der Teilnehmer begriff, dass wir unsere Hunde nicht eindeutig richtig lesen und gerne zu viel interpretieren.
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Von Anfang an spielte der Klicker als Seminarthema eine bedeutende Rolle. Das Markieren eines Verhaltens zum exakten Zeitpunkt, das Antrainieren eines Abbruchkommandos sowie eines „Keep-Going“-Kommandos zogen sich durch das Seminar wie ein roter Faden und fanden sich im Praxisteil wieder. Diesmal in der Sparte VPG. Eindrucksvoll zeigte Hans Ebbers, der Gefährte von Dr. Esther Schalke, wie er seine beiden Malirüden mit dem Klicker zum richtigen, gewünschten Verhalten führt. Hierbei wird beispielsweise das Lernen am Apportel mit Klicker bestätigt, die Belohnung ist der Ball. Sobald der Klick erfolgt, rutscht das Apportel aus dem Fang, der Ball wird zugeworfen. Es wird lediglich gewünschtes Verhalten belohnt, ein kräftiger, nicht knautschender Biss. Das Apportel wird nicht zur Beute, lediglich zum Instrument auf dem Weg zur Beute. Das gesamte Muster des Apportierens wird aufgeschlüsselt in einzelne Bestandteile, zu Beginn steht lediglich das ruhige Halten. Völlig unabhängig vom Rest des Verhaltens. Erst wenn der Hund gelernt hat, das Apportel ruhig zu halten, wird ein Schritt hinzugenommen, das Vorsitzen. Und wer es nicht wusste, der Klick regt die Amygdala (Mandelkern) beim Hund an, dort werden bestimmte Emotionen verwaltet. |
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Auch der Partner von Esther, Hans Ebbers, brachte den Anwesenden den Klicker nahe. |
Auch und gerade im VPG-Sport lässt sich der Klicker anwenden und markiert gewünschtes Verhalten. |
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Auf der Homepage der Tierärztlichen Hochschule Hannover (www.tierschutzzentrum.de) finden sich einige interessante Dissertationen über das Verhalten von Hunden. Ein Blick auf diese Arbeiten lohnt sich.
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Karl-Heinz genoss das Seminar sichtlich. |
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Hans Ebbers und Andreas Strieder. |
Als Edgar Huber am Nachmittag des zweiten Tages den Anwesenden mitteilte, dass nun ein reiner Praxisteil VPG folgen wird und sich alle Nichtinteressierten gerne verabschieden durften, verschwanden nur die wenigsten. Bei den Schlussworten lernten wir einen beeindruckten Edgar Huber kennen, der bestätigte, dass er umdenken müsste und viele Signale bisher falsch gedeutet hatte. Alt bekannte Lernschemen müssten stark überdacht werden, auch der Einblick in die Vorgehensweise eines Hundes auf der Fährte brachte die Erkenntnis, dass wir vom Hund ein unnatürliches Verhalten verlangen und bewerten. Edgar Huber bemerkte, dass er künftig mehr auf die Mimik des Hundes achten wird und plädierte auf Sparten übergreifendes Verständnis. Esther lobte den verbindenden Vereinsgedanken innerhalb der Seminarteilnehmer. |
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Ein Wochenende ging zu Ende, das uns allen viel Denksport aufgab. Ich persönlich möchte mich bei Edgar Huber für die Idee und die Umsetzung bedanken, und dafür, dass ich teilnehmen durfte.
Mina Piske, OfÖ BLV
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Rechts Alfons Fieseler, der sich angeregt unterhält. |
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Susi Huber und Edgar Huber tauschen sich aus. |
Seminarleiter Hans Ebbers und Dr. Esther Schalke im Gespräch mit Edgar Huber. |